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Du drehst dich im Kreis? Zeit, aus der Reihe zu tanzen!

Krisen: Wie wir sie gut überwinden

 

Warum meistern manche Menschen Stress und Krisen leichter als andere? Unsere seelische Widerstandskraft ist zwar zum Teil veranlagt – lässt sich aber sehr wohl formen und verändern.

Was bedeutet es, resilient zu sein?
„Resilienz“ bedeutet so viel wie Widerstandskraft und stammt ursprünglich — wie auch der Begriff „Stress“ — aus der Materialforschung. Stress meint jenen Punkt, an dem das Material durch ständige Belastung bricht oder berstet; Resilienz bestimmt jenen Punkt, an dem sich das belastete und verformte Material wieder zurück in die ursprüngliche Ausgangslage begibt (bevor es dazu kommt, dass es zerbricht). Ähnlich ist es auch im Leben. Ein gesundes Stresssystem reagiert schnell und angemessen. Es beruhigt sich auch selbst wieder und schützt den Körper vor einem Übermaß an schädlichen Stresshormonen.

Stress „entzündet“ den Körper

Bei Menschen, die unter chronischem Stress leiden, bilden sich vermehrt entzündliche Prozesse im Körper. Sie sind ein Nährboden für Allergien und andere Beschwerden wie Fettleibigkeit, Diabetes und koronare Herzerkrankungen. Aber auch Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Appetit- und Lustlosigkeit, erhöhtes Schmerzempfinden und Gedächtniseinbußen können die Folge sein.


Der Begriff Resilienz ist trendig und in vieler Munde. Die  Bedeutung dieses Begriffs vollzieht jedoch gerade einen Wandel, sowohl in Medizin als auch Psychologie. So wird der Fachbegriff mittlerweile weniger im Zusammenhang mit krankheitsbezogenen (pathologischen) Faktoren verwendet. Jetzt liegt die Betonung auf dem Positiven, der Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden (salutogenetischer Ansatz). Die guten und starken Faktoren rücken in den Mittelpunkt. Zum Beispiel die Tatsache, dass resiliente Menschen, die auf Stress flexibler reagieren und sich schneller wieder aufrappeln, weniger Entzündungsmarker im Blut aufweisen. Zudem ist ihr Gehirn anpassungsfähiger.

Was uns robuster werden lässt

Was der Begriff Resilienz in der Materialforschung meint, bedeutet er auch im Leben. Es ist die Rückkehr zum Gleichgewicht, zur Ausgangslage - optimalerweise sogar verbunden mit einer Steigerung der seelischen oder mentalen Belastbarkeit. Genauso wie die Begriffe „Gesundheit“  und „Zufriedenheit“ ist das keine stabile Größe, sondern ein dynamisches Merkmal. Das heißt, wir müssen diese Zustände immer wieder bewusst herstellen und auch die Entscheidung dafür immer wieder neu treffen. Aber das lohnt sich: Bei resilienten Menschen sinkt der Pegel der Stresshormone nach einer Belastung schneller. Sie erholen sich also schneller und auch Entzündungsprozesse im Körper fallen schwächer aus als bei Personen mit weniger Widerstandskraft. Die Forschung hat belegt, dass das Gehirn resilienter Menschen vermehrt Botenstoffe produziert, die die synaptischen Verbindungen zwischen Nervenzellen festigen und den Aufbau neuer neuronaler Vernetzungen ermöglichen.

 

Empathie und Unterstützung

Auch das Sich-Einfühlen und das Unterstützen anderer ist eine Fähigkeit, die bei mental widerstandsfähigen Menschen ausgeprägt ist. Es liegt in ihrem Interesse, dass sich Personen in ihrem Umfeld wohlfühlen. Das stärkt auch wiederrum die Bindung unter einander.

Soziale Kontakte machen stark
Was stärkt unsere Widerstandskraft? Die wichtigsten Faktoren sind soziale Beziehungen, ein optimistischer Denkstil, Strategien zur aktiven Bewältigung von Stress und eine gesunde Lebensweise. Wer psychisch widerstandsfähig ist, kommt mit Herausforderungen und Krisen besser und schneller zurecht und kann sie so auch erfolgreich meistern.

 

Gute Beziehungen wirken als Jungbrunnen

Forschungen belegen, dass gute und enge Beziehungen sich positiv auf das Herz-Kreislauf- und das Immunsystem auswirken. Studien an der Birgham Young University mit mehr als 300.000 Teilnehmern zeigen, dass stabile soziale Beziehungen lebensverlängernd wirken.

 

Das Konzept des Mediziners und Soziologen Aaron Antonovsky (1923-1994) hat nach wie vor Gültigkeit. Er beschrieb eine grundlegende Lebensorientierung von Personen mit hohem Kohärenzgefühl – also Menschen, die fähig sind, angemessen und flexibel zu reagieren und die hinsichtlich Gestaltung und Erhaltung ihrer Gesundheit auf Stärken und Fähigkeiten zurückgreifen können, die sie im Lauf ihres Lebens gesammelt haben.  Die Menschen können nach Antonovsky in allem, was sie erleben und ihnen geschieht, einen Sinn erkennen. Sie finden eher eine Erklärung für Krisen und Schicksalsschläge und vertrauen darauf, damit fertigzuwerden.


Mental widerstandsfähige Menschen haben auch die Fähigkeit, Erlebtes immer wieder neu zu bewerten. Sie erkennen veränderte Bedingungen und können darauf flexibel reagieren. Es macht einen wesentlichen Unterschied, zu denken, dass man etwas nicht schaffen kann oder dass es nur bisher nicht geklappt hat, und man sein Ziel aber sehr wohl mit einer neuen Strategie erreichen kann.

 

Die Chance des Neuanfangs erkennen

Resiliente Menschen zeichnet auch aus, destruktive Überzeugungen erkennen und umdeuten zu können. Das heißt nicht, dass sie nur das Positive am Erlebten sehen und Schmerzhaftes ausblenden oder verdrängen. Solche Menschen können mit unangenehmen Gefühlen wie Trauer, Wut oder Hilflosigkeit umgehen. Sie stellen sich diesen Gefühlen und können sie nach angemessener Zeit akzeptieren. Manche Menschen erkennen darin sogar die Chance eines möglichen Neuanfangs. Sie setzen bewusst Strategien dafür ein, lösungsorientiert zu handeln und nehmen auch Unterstützung in Anspruch, wenn es nötig ist.
Außerdem setzen sie auf körperliche Gesundheit, Fitness und Wohlbefinden.  

Es bleibt dabei: Menschen, die regelmäßig Sport treiben, auf gute Ernährung und einen gesunden Lebensstil achten, sind deutlich belastbarer, besser gelaunt und dadurch widerstandsfähiger. Ein aktiver Lebensstil erhöht nicht nur die Chance für gute Beziehungen, sondern auch für die Anzahl an gesunden und selbstwirksamen Lebensjahren.

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